REZENSIONEN zu Sandra Hosol - Sandra Hosol

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SANDRA HOSOL
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REZENSION ZUM GESAMTWERK
Fritz Isenmann, ArtCreation.de
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Rezensionen zu schreiben, ist für mich ein Eintauchen in die Bilder und Gedanken eines Künstlers. Es treten dabei Assoziationen, Emotionen, Farbenspiel, Dynamik oder Ruhe und Technik im Einklang mit dem Ausdruck des Bildes hervor - oder auch nicht, weil man keinen Zugang findet oder nur ein vermeintliches Gekleckse sieht.

Rezensionen stellen immer die emotionale und persönliche Sicht des Rezensenten dar. Mehr nicht. Objektive Kriterien einer Bewertung können sich allein aus der Technik und "Kunstfertigkeit" erschließen, wobei manche Rezensenten ein zu starkes Gewicht auf die Ausbildung des Künstlers oder die Zahl dessen Ausstellungen legen - und sind die Künstler dann auch noch Meisterschüler einer bekannten Persönlichkeit - ja dann vermeidet man, die Werke eines solchen Meisterschülers zu verreißen.
Und: Rezensionen können für den Künstler oder Autor vernichtend, ja existenzgefährdend sein - je nach Bekanntheitsgrad des Künstlers/Autors.


Bei Sandra Hosols Werkzyklen fand ich raschen Zugang, da mich der tiefgehende Ausdruck der Bilder in diese hineinzog. Und ja - ich war umwoben und gefangen: von der Technik, aber insbesondere von der visuellen Darstellung, der Themenkomplexe und des überaus und durchgängig starken Ausdrucks.

Am Beispiel Hosol kann man die Entwicklung eines Künstlers deutlich nachvollziehen. Anfangs skizzenhafte Eindrücke und bildhafte Schreie zur Innen- und Außenwelt, körperlich emotionale und menschliche Gesten und Körperhaltungen, dann eine Reduzierung und eine damit verbundene gekonnte Transponierung des Gesehenen und der damit verbundenen Verarbeitung in den Sichten von Hosol wie "Farbenklang" und "Abstrakte Sichten". Allein ihre verwendete Bezeichnung "Farbenklang" ist vielsagend: ein Schwingen und Klingen von Farbtönen und Nuancen. Kneift man die Augen beim Betrachten zusammen, sieht man farbschwingende Landschaften oder auch emotional-visuelle Eindrücke und Verarbeitungsprozesse.

Im aktuellen Werkzyklus "Abstrakte Sichten" rückt nun Hosol von der linearen Statik des "Farbenklangs" und der körperlichen Darstellungen in "Weltsichten" ab und bringt diese in einer neuen Transponierung zusammen. Für mich scheint sich eine Synthese ihrer beiden bisherigen bildnerischen Themen anzubahnen - einer Verquickung von körperlicher Emotion und einer Farblinearität zu einer Abstrahierung und damit zur "Königsdisziplin" der Kunst: die Erhebung des Erlebten,


Gesehenen in eine kalkulierte Verschlüsselung, eine Vergeistigung, wobei die inhärenten Farbschwingungen und -wirbelungen der neuen Bilder den ursprünglich emotionalen Ausdruck, was Hosols menschliche Stärke erweist, bewahren.

Das Thema "Erste Kraft Rot" zeigt mir eine sanguinisch-emotionale Exposition, die den Menschen bestimmt und die sich ständig ändert, neu formt und treibende innere Kraft ist, während im Thema "Zweite Kraft Blau" die Zuversicht, Leichtigkeit und Hoffnung durchdringt. So sind beide Themen nun nicht mehr farb-linear oder körperlich gestaltet, sondern in blauen oder roten aufgewühlten und mit dunkeln Farbtönen durchmischten Wirbeln - wie ein Kampf und Widerstreit von farbigen mit dunkel schwanenden und bedrängenden Emotionen, die mal stärker hervortreten - mal weniger, wie wenn sie sich formen und neu gestalten und suchen und dadurch wachsen können.  

Prägend für das bisherige Gesamtwerk Hosols ist das dominante Maß ihrer innerer Empfindsamkeit, die äußere Einflüsse beobachtet, wahrnimmt, verarbeitet und mit diesen kämpft - ein immanenter Seismograph, der äußere und innere Einfüsse, Erschütterungen und Beben aufzeichnet, gestalterisch verarbeitet, auf diese hinweist und dem Betrachter in eindringlicher Weise übergibt.
Perspektivisch ist hier auf der Basis ihres gestalterischen und inneren Vermögens ein hohes Potenzial vorhanden - und ich meine, dass wir noch viel von der jungen Künstlerin erwarten dürfen und können!


GESCHEHEN - GEGANGEN - GEBLIEBEN
Rezension der Galerie M 17, Am Marktplatz 17, 92421 Schwandorf anl. der Ausstellung 2018
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"Geschehen Gegangen Geblieben. Was versteckt sich hinter dieser Wortreihe?

In erster Linie beschreibt es einen Kreislauf, einen Kreislauf, den man im Leben finden kann. Dinge oder Ereignisse, die geschehen, bleiben zumeist nicht auf Dauer gegenwärtig, sondern verblassen und vergehen mit der Zeit. Sie sind gegangen. Je schwerer diese Ereignisse jedoch wiegen, desto eher bleibt etwas von ihnen zurück. Meistens sind es Erinnerungen, manchmal auch etwas Prägendes, das den Menschen formt und Kontur verleiht.

Alle Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sein werden, spiegeln diesen Kreislauf wieder. Das Geschehene entdeckt man zum Beispiel in den Frauenbildnissen. Sie sind konkret und greifbar, aber auch erschreckend in ihrer Thematik. Zugegeben, es sind keine leichten Themen, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, oder Schmerz. Der Künstlerin war es nicht nur wichtig, solche Empfindungen malerisch umzusetzen, da sie im alltäglichen Leben nur allzu gern verdrängt werden. Ihr war es auch wichtig, den Frauen ein Stück weit Anmut, Schönheit und vor allem (das Recht auf) Dasein zurückzugeben.

Es braucht Mut, sie dazustellen, aber auch Mut sie wahrzunehmen und sich darauf einzulassen. Es ist eine gewisse Aufforderung der Künstlerin, sich diesen Empfindungen zu stellen. Erst damit sind die Frauenbilder keine Selbstportraits mehr, sondern werden zu objektiven Spiegeln für das Seelenleben jedes Einzelnen.
Das Seelenleben führt nahtlos zu den einzeln hängenden Schmetterlingen über. In ihrer zarten Schönheit tauchen sie als Symbol für den Seelengefährten auf und erinnern an die eigene, innere Metamorphose, die gleichzeitig ein Teil des Kreislaufs Geschehen Gegangen Geblieben ist. Wie nach der Verpuppung in einem Kokon, findet auch im Seelischen ein Prozess statt, der im Unsichtbaren einen Wandel herbeiführt.

Natürlich steht auch die Bilderserie „Wandel“ für eben jenen Prozess. Großflächig, vollkommen abstrakt und in ähnlichen Farben gehalten, sind sie eine Darstellung für die Momente zwischen Geschehen Gegangen Geblieben. Denn um von einem Zustand in den Nächsten zu kommen, muss es immer auch etwas Wandelndes oder gar Auflösendes geben. Sie deuten auf den Augenblick, in dem das Geschehene seine Eindringlichkeit verliert und gegangen ist.

Nun zu dem, was geblieben ist. Ja, was bleibt also? Die Antwort der Malerin ist schlicht und einfach: Erinnerungen. Ob konkret oder vage, für Beides hat sie eine eigene Form und Sprache gefunden.

Durch scheinbar einfachen Linien entstand die Serie „Farbenklang“, deren Ästhetik vor allem auf der Ausgewogenheit von Farbgebung und Proportion aufbaut. Unbewusst kristallisieren sich Assoziationen zu Himmel, Meer oder Sonnenuntergänge heraus, ohne dabei etwas passend Gegenständliches sehen zu können. Es ist allein die Farbe, auf der diese verblassten Erinnerungen gründet.

Als Element der konkreten Erinnerung bilden die zahlreichen Zeichnungen von Sandra Hosol einerseits den Abschluss des Kreislaufs Geschehen Gegangen Geblieben, andererseits verweisen sie auch auf den Beginn zurück. Abschluss, weil nichts von dem Dargestellten die exakte Realität meint, sondern ironisch deren Anteile reflektiert und hinterfragt. Beginn, weil die Geschehnisse, von denen die Künstlerin erzählt, stets auch die Realität berühren oder gar aus ihr entspringen. Und in ihren Zeichnungen wendet sich Sandra Hosol dem Offensichtlichen nicht ab, sondern zollt der unübersehbaren Realität in ihren absurden, schrecklichen, manchmal auch tragischen Gesichtern Tribut, indem sie Symbole wie die Schlange für Wahrheit, Tränen für Trauer, Blüten für Unbeschwertes oder Bäume für Gewachsenes mit skurrilen Karikaturen oder clownesken Figuren vereint.

Sandra Hosol, 1985 in Weiden geboren, lebt und schafft gemäß der Aussage: „Ein Apfelbaum kann nur Äpfel tragen. Will er anderes tragen, so wird er nichts tragen.“ So folgt sie beim Malen nicht nur ihren eigenen Empfindungen, sondern auch dem Bild selbst, das im jeweiligen Moment entstehen will. Auch komponiert sie Klavierstücke, die an das Herz des Zuhörers gerichtet sind. Die Quelle von beiden ist das ureigene Empfinden und Wahrnehmen, was sich auch in dieser Ausstellung von Neuem zeigt."




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